Die Website vor einer Google Abstrafung schützen

Für uns SEOs ist es eines der schlimmsten Gefühle der Welt. Man wacht morgens auf, frühstückt, wirft den Computer an, loggt sich in den RankTracker ein und plötzlich stockt einem der Atem. Überall sieht man rote Zahlen und alle Keywords sind stark gefallen, oder ganz aus dem Index geworfen wurden.
Von einem Moment zum anderen ist der Traffic, die Leads, die Verkäufe und auch das Einkommen verschwunden.
Google hat dafür gesorgt, dass man einen schrecklichen Tag erleben muss.

Genau das erleben SEOs und Unternehmer rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres. Manchmal ist es nur ein kleiner Fehler, oder sogar die Konkurrenz schuld.

Häufig hört man von Änderungen im Google-Algorithmus wenn sie von dem Unternehmen bekannt gegeben werden. Ja, es gibt Pandas, Pinguine und Kolibris aus dem Google-Zoo die man fürchten sollte. Wer aber glaubt, dass es nicht weitere geheime Algorithmen gibt, die sich nur damit beschäftigen Websites aus dem Index zu kicken, der sollte mal einen Besuch beim Doc einplanen.

In Wahrheit werden andauernd Websites abgestraft und auch die großen Player der Branchen sind davor nicht sicher, auch wenn sie sehr viel Geld in AdWords ausgeben. Viele große Websites wie beispielsweise Expendia.com haben über Nacht einen Großteil ihres Traffics verloren. Im genannten Beispiel geschah dies, weil Links gekauft wurden.

Es wurde aufgedeckt, dass Expendia Webmastern Geld dafür bot einen Link zu ihnen einzufügen. Die mediale Aufmerksamkeit war groß, da sie sich keine Mühe gaben ihre Aktion zu verheimlichen. Sie schrieben jeden Blogger der Nische unverblümt an.

Obwohl ich mir sicher bin, dass bei großen Websites eher ein Auge zugedrückt wird, oder zumindest zunächst eine Verwarnung ausgesprochen wird, musste hier eine Reaktion geschehen. Expendia wollte offensichtlich die Rankings mit Geld beeinflussen und wenn Google das zugelassen hätte, wäre dies ein Schlag ins Gesicht für all jene gewesen, die im Vorfeld abgestraft wurden. Im Anschluss kamen Verschwörungstheoretiker ans Tageslicht die behaupteten, dass Google alle großen PPC Kunden abstrafen würde, damit diese gezwungen seien ihre AdWords Budget noch weiter zu erhöhen.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Websites die abgestraft werden, ohne dass sie etwas falsch gemacht hätten. Sie fielen der Konkurrenz und ihrer Negativen SEO zum Opfer. Ich wurde schon öfters von ahnungslosen Unternehmern angesprochen und gefragt was passiert sei. Das traurige ist, dass die Rankings von genau diesen von der Konkurrenz leicht zerstört werden können. Aus diesem Grund sollte jeder wissen, dass er auch abgestraft werden kann, wenn er gar keine Suchmaschinenoptimierung betreibt.

Es gibt zwar Arten von Abstrafungen mit denen Google einen erwischen kann:

1. Vom Algorithmus ausgehende Abstrafungen

Der alles erfassende Google Algorithmus ist stets wachsamDas sind die ganz normalen Abstrafungen die vom Google-Zoo ausgehen. Die Algorithmen werden ständig verbessert und suchen eingeständig nach Leuten die Google hinters Licht führen wollen. Wer die Richtlinien bricht muss sich nicht fragen ob er erwischt wird, sondern eher wann.
Die Google Mitarbeiter gehören zu den besten und intelligentesten der Welt. Es ist dämlich zu denken, dass sie einen niemals schnappen werden. Damit will ich nicht sagen, dass man mit Blackhat Taktiken kein Geld verdienen könne. Es gibt viele SEOs die dadurch sehr reich geworden sind. Ihnen muss jedoch bewusst sein, dass jedes gestartete Projekt eines Tages aus dem Index fliegen wird und somit wertlos ist. Gute Blackhats haben in diesem Moment bereits 5 neue Websites in den Startlöchern.

2. Manuelle Abstrafungen

Im Gegensatz zu einer vom Algorithmus ausgehenden Abstrafung wird man von Google benachrichtigt, wenn eine manuelle Abstrafung vorgenommen wurde. Diese kann man über die Google Webmaster Tools auslesen.
Google hat eine riesige Abteilung die sich nur damit beschäftigt nach Websites zu suchen die die Richtlinien verletzt. Sie suchen nach zweifelhaften Praktiken und gekauften Links.
Auch wenn man selbst keine Suchmaschinenoptimierung betreibt sollte man hin und wieder in GWT hineinschauen und überprüfen ob man eine Abstrafung bekommen hat. So kann man überprüfen, ob ein Konkurrent böse geworden ist.

Wie kann man sich nun vor Abstrafungen schützen?

Niemand kann einem garantieren, dass die Website ewig sicher bleiben wird. Kunden die das von uns verlangen werden immer abgelehnt. Viel zu häufig kommt es vor, dass der Unternehmer selbst an der Website “mitarbeitet”, die Konkurrenz einen Angriff startet, oder Google eine vollkommen sinnfreie Abstrafung durchführt. Hier gibt es kein Gericht das einen unter Berücksichtigung der Gesetze verurteilt. Vielmehr drückt ein gelangweilter Mitarbeiter auf einen Knopf und die Website ist im Eimer.

Dennoch gibt es einige Regeln an die man sich halten sollte um die Lebensdauer einer Website enorm zu verlängern.

1. Für den Leser und nicht für Google schreiben

Wer auf seiner Website schlechte oder zusammenkopierte Inhalte postet, der bittet Google quasi um eine Abstrafung. Die Artikel müssen nicht nur hochwertig und gut recherchiert sein, sie müssen in erster Linie dem Leser gefallen und ihm das bieten, was er gesucht hat.
Es gibt zwar etliche Websites die sehr lange Texte veröffentlichen, in denen zahlreiche Longtail Keywords vorkommen. Sie ranken zu Beginn auch gut, aber was passiert anschließend?
Die Besucher landen auf der Website, werden aber nicht so Leads oder Kunden konvertiert. Ohne diesen entscheidenden Schritt kann man kein Geld verdienen.

2. Sinnvoll mit Gastbeiträgen umgehen

Gastbeiträge sind sehr schnell sehr populär geworden und sind noch immer eine gute Möglichkeit saubere Links von relevanten und starken Websites zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass man das Ganze intelligent angeht.

Wichtig ist, dass man in einem für den Autor angelegten Feld einen Link platziert. Bei Gastbeiträgen sollte dieser immer die Marke ans Ankertext haben. In meinem Fall würde ich also “Sacando” verwenden und nicht “SEO Köln”. Wenn ein Google Mitarbeiter einen Blick auf die Backlinks wirft, fallen diese schnell auf und die Alarmglocken gehen an.
Gastbeiträge sind nicht tot und werden auch niemals sterben, egal was dazu gesagt wird. Links mit der Marke als Ankertext sind toll und helfen dabei schnell mit gutem Content für Longtails gefunden zu werden.

3. Die Inhalte über der Faltlinie präsentieren

Es gibt einen Algorithmus der genau darauf achtet, wo der Content zu finden ist und wie die Website generell aussieht. Er wurde eingeführt um Websites abzustrafen, die oberhalb voller Werbung waren und unten nach einigem Scrollen erst den Text hatten. Indem der Text nach oben bewegt wird, vermeidet man abgestraft zu werden und gibt dem Leser was er sucht.

Niemand möchte auf eine Website gelangen und Ewigkeiten scrollen bevor man etwas lesen kann. Außerdem ist es keine gute Idee die Inhalte zu sperren und den Besucher zu zwingen ihn mit einer Aktion zu entsperren. Üblicherweise muss man ein Werbeangebot ausfüllen, oder die Website auf Facebook teilen. Bei einer manuellen Überprüfung führt dies mit Sicherheit zu einer Abstrafung und wenn die Crawler die Seite nicht vernünftig auslesen können passiert selbiges.

4. Die Website mit einem Sicherheitsplugin schützen

Jeden Tag werden tausende Websites gehackt und die Besitzer merken es nicht. Die Website sollte zu jeder Zeit möglichst sicher seinAnschließend werden die Links so verändert, dass sie dem Hacker dienlich sind. In der Regel führen sie zu sehr unseriösen und betrügerischen Websites. Google merkt das direkt und straft gegebenenfalls ab.

Wer WordPress verwendet sollte das Plugin iThemes Security verwenden. Es ist kostenfrei und schützt einen vor den meisten automatisierten Attacken sehr zuverlässig. Alle Plugins sollten zudem stets auf dem neuesten Stand sein.

Ein weiterer Tipp ist, dass man als Login nicht “admin” verwenden und den WordPress Loginpfad abändert. Auch die Verwendung von HTTPS dient der Sicherheit.

5. Kommentare, Profile und Gastbeiträge ständig beobachten

Es ist toll wenn die Leser sich einbringen, Kommentare verfassen und Gastbeiträge anbieten. Google liebt das. Dennoch solltest du in jedem Fall darauf achten, dass du diese Inhalte ständig kontrollierst. Jeder einzelne Kommentar zu deinem Beiträgen sollte zunächst von dir freigeschaltet werden sollen. Gastbeiträge solltest du genau unter die Lupe nehmen und Korrektur lesen. Du bist dafür verantwortlich was auf deiner Website publiziert wird. Immer wenn ein Link zu einer unseriösen Quelle von dir ausgeht, lässt dich dies in einem schlechten Licht erscheinen.

6. Ein Auge auf die vorhandenen Backlinks werfen

Wer keinen aktiven Linkaufbau betreibt wird sich wohl eher weniger mit den eigenen Backlinks beschäftigen. Die meisten KMUs setzen hin und wieder einen Link, oder bauen diese organisch auf. Tools wie Ahrefs die Backlinks anzeigen werden da nicht genutzt.

Diese Unachtsamkeit macht es den Kontrahenten sehr leicht innerhalb kurzer Zeit tausende Backlinks mit hartem Ankertext aufzubauen und so für eine Abstrafung zu sorgen. Wer jedoch wachsam ist erkannt das schnell und kann so einen Angriff abwenden.

7. Harte Ankertexte vermeiden

Vor einiger Zeit war es ausgesprochen leicht mit harten Ankertexten erstklassige Platzierungen zu erreichen. Wer beispielsweise für den Suchbegriff “Rechtsanwalt Köln” gefunden werden wollte, erstellte einfach alle Links mit diesem Ankertext. Heute ist das ein sehr gefährliches Unterfangen. Lieber sollte man die Marke als Ankertext verwenden. Auch Phrasen wie “weitere Informationen hier” oder “mehr darüber erfahren” sind hilfreich.

Mit steigender Autorität der Website werden sich auch die Platzierungen in Google stetig verbessern. Hin und wieder ein harter Ankertext schadet nicht, jedoch sollte man es in keinem Fall übertreiben. Diversifizierung ist hier das Stichwort.

8. Schlechte Links disavowen

Nachdem Google endlich verstanden hatte, dass negatives SEO existiert und hervorragend funktioniert, wurde das Disavow Tool eingeführt. Hier kann man Verlinkungen die zu einer im GWT Konto eingetragenen Website führen für ungültig erklären. Wer bei einem SEO Angriff schnell reagiert kann eine Abstrafung in der Regel abwenden.

Reconsider Request – Ja oder Nein?

Wer von Google abgestraft wurde hat die Möglichkeit seine Fehler zu beseitigen und Google darum zu bitten die Entscheidung zu überprüfen. Viele SEOs sind der Meinung, dass sich all die Mühe nicht lohnt und man lieber sofort mit dem Aufbau einer neuen Website beginnt. Meiner Meinung nach ist das nicht immer der richtige Weg. Wer viel Zeit und Geld in ein Projekt investiert hat und durch kleinere Fehler abgeschossen wurde, sollte diese beheben und sich anschließend an Google wenden. Ich habe bereits öfters erlebt, dass es funktioniert hat. Mindestens genau so oft wurde die Abstrafung aber nie wieder aufgehoben.

Mein Fazit

Jeder der sich für SEO interessiert, seine eigene Website optimiert, oder ein Unternehmen dafür bezahlt, sollte sich mit Abstrafungen auseinander setzen. Sie treten regelmäßig auf, auch wenn man scheinbar risikolose Strategien anwendet. Das Dilemma ist: Wer Links aktiv aufbaut bricht die Google Richtlinien und wer es nicht tut wird niemals ganz vorne ranken.

Nutze diese Ratschläge um dein Risiko zu minimieren, aber sei dir darüber im Klaren, dass niemand sicher ist.

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