Gastbeiträge im Jahre 2016 – sinnvoll oder nicht?

Im Jahre 2014 war sich die SEO-Szene sicher, dass Gastbeiträge der Vergangenheit angehören. Was zuvor noch als eine der besten Formen des Linkbuildings betrachtet wurde, wurde mit einem Schlag zerstört. Matt Cutts, damaliger Kopf des Google Anti-Spam Teams verkündete, dass Gastbeiträge zukünftig ins Visier genommen werden. Portale wie MyBlogGuest wurden abgestraft und alle hatten Angst um ihre Kunden und Projekte.

Gastbeiträge Nachricht Matt Cutts 2014
Screenshot von: https://www.mattcutts.com/blog/guest-blogging

Wie ist der Stand der Dinge heute, zwei Jahre nachdem das Ende des Gastbeiträge verkündet wurde?

Laut Umfragen verwenden noch immer über 70% aller SEO Agenturen Gastbeiträge zum Linkaufbau. Die wirklich spannende Frage ist aber doch, ob Gastbeiträge effektiv sind und für bessere organische Rankings und mehr Traffic sorgen. Jemand der eine Meinung zu diesem Thema hat ist Silvio Procellana, der Gründer von Mob.is.it. Er hat mit seinem Team ein Tool entwickelt, welches den Kunden dabei hilft Websites und Apps zu entwerfen, die auf mobile Endgeräte optimiert sind.

Um den Umsatz zu erhöhen musste ein größeres Publikum erreicht und mehr Besucher auf die Website des Unternehmens gebracht werden. Man entschied sich den Fokus auf Gastbeiträge zu legen. Innerhalb von 5 Monaten wurden 44 Gastbeiträge veröffentlicht. Das Resultat war, dass der Traffic um 20% und die Domain Authority um 5 Punkte stieg.

Werfen wir einen Blick darauf, wie Silvio diese tollen Ergebnisse erreichen konnte.

Schritt 1: Die Zielgruppe genau definieren

Die potentielle Kundschaft unter die Lupe nehmenSein erster Schritt war genau festzulegen wer der perfekte Kunde ist, den er mit seinen Gastbeiträgen erreichen möchte. Einer der beliebtesten Wege dies zu tun ist der Entwurf einer fiktionalen Person die dabei hilft in die Gedankenwelt der potentiellen Kunden eintauchen zu können.

Folgende Informationen über die Käufer müssen enthalten sein:

  • Wer ist der Käufer (Alter, Herkunft, Wohnort, Beruf, Geschlecht, Hobby, Beziehungsstatus etc)
  • Welche Ziele werden verfolgt, welches Problem soll gelöst werden
  • Wie wird am liebsten eingekauft
  • Welche Faktoren beeinflussen die Kaufentscheidung (Preis, Service, Reputation, Lieferzeit, Garantie etc)

Silvio und sein Team kreierten insgesamt 3 fiktive potentielle Kunden. Sie überlegten an welchen Blogs diese Interesse haben könnten, welche Themen sie interessieren und welche Suchbegriffe sie bei Google eingeben könnten. So wurde konkrete Linkziele und Contentideen erzeugt.

Für die Keywordrecherche bietet sich entweder die Verwendung des Google Keyword Planers oder die Beauftragung einer SEO Agentur an.

Schritt 2: Die Suche nach geeigneten Blogs

Nachdem die Personas entworfen waren, war der nächste Schritt Blogs Ausfindig zu machen, auf denen Gastbeiträge verbreitet werden konnten. Es haben sich bereits viele Agenturen daran versucht ein geeignetes Tool dafür zu entwickeln. Google ist jedoch immer noch der beste Weg. Mit der geschickten Kombination einiger Suchbegriffe lassen sich viele potentielle Blogs finden.

Nehmen wir an, dass Ihr Unternehmen in der Reiseindustrie ist und einer der fiktiven Kunden an günstigen Reisen interessiert ist. Folgende Suchbefehle könnten zu interessanten Ergebnissen führen.

  • „günstige Reise“ + „für uns schreiben“
  • „günstige Reise“ + „Gastbeitrag“
  • „günstige Reise“ + „Beitrag einreichen“

Um die Qualität der auf diese Weise gefundenen Blogs einordnen zu können, sollte man die Ahrefs SEO Toolbar, oder eine vergleichbare Erweiterung installieren. Je höher das Domain Rating (abgekürzt „DR“) ist, desto wahrscheinlicher handelt es sich um eine starke Website. Darüber hinaus sollte immer ein Blick auf die Qualität der Beiträge und die Veröffentlichungsfrequenz geworfen werden.

Falls Sie zufrieden mit dem Blog sind, sollten Sie sich diesen notieren. Weitere nützliche Informationen sind Kontaktdetails (eventuell Social Media Konten der Autoren) und potentielle Themengebiete die behandelt werden können.

Das Team um Silvio erstelle eine Liste von 243 Blogs die thematisch passend waren und prinzipielles Interesse an Gastbeiträgen haben.

Schritt 3: Kontakt zum Blog aufnehmen

Bevor man einen Gastbeitrag veröffentlichen darf, muss man zunächst mit dieser Idee an die Betreiber oder Autoren herantreten. Diese muss man davon überzeugen, dass die angebotenen Inhalte einen Mehrwert bieten und der Leserschaft zusagen werden. Dazu gibt es in der Regel zwei Vorgehensweisen:

  • Generelle Themen vorschlagen
  • Spezifische Titelideen einsenden

Beide Wege führen nach Rom. In jedem Fall sollte man den ersten Kontakt jedoch kurz und prägnant gestalten. Wichtig ist zu zeigen dass man sich mit dem Thema auskennt und sich sicher ist, dass der Gastbeitrag beiden Parteien helfen wird. Schauen Sie in jedem Fall ob der Blog Richtlinien für Gastbeiträge veröffentlicht hat und beachten Sie diese genau.

Solvio schlug den Blogs konkrete Titel vor. 55% der Blogs antworteten ihm nicht, 15% waren nicht interessiert und 30% sagten, dass sie gerne einen Gastbeitrag veröffentlichen würden. Nicht schlecht oder?

Schritt 4: Den Gastbeitrag verfassen

Noch ist es nicht an der Zeit sich zu freuen. Nur weil die Anfrage nach einem Gastbeitrag gut angekommen ist, heißt das noch lange nicht, dass auch der Gastbeitrag gut ankommt. Viele Blogs lehnen eine Vielzahl der Gastbeiträge ab. Hier sind einige Gründe an denen das liegen kann:

  • Schlechter Schreibstil
  • Grammatikalische Fehler
  • Zu geringer Umfang (es sollten mindestens 1.000 Wörter sein)
  • Das Thema wurde bereits behandelt

Stellen Sie sicher, dass Ihr Gastbeitrag interessant ist und mit vielen Zahlen, Daten und Fakten angereichert ist. Sie werden mit Ihrem Namen hinter dem Beitrag stehen, also sorgen Sie dafür, dass er Sie in ein gutes Licht rückt!

Schritt 5: Das Einreichen der Gastbeiträge

Sobald Sie zufrieden mit dem verfassten Gastbeitrag sind, ist es an der Zeit ihn einzureichen. Damit ist die Arbeit aber leider noch nicht erledigt. Einige Betreiber werden Änderungswünsche haben, antworten nicht direkt oder haben anderweitige Probleme. Damit all die Mühen nicht vergeblich waren sollte man ein gutes Tool verwenden um den gesamten Prozess zu dokumentieren und zu überwachen. Wir verwenden dazu Trello.

Gastbeiträge erfordern viel Geduld

In einigen Fällen kann es ziemlich lange dauern bis der eingereichte Gastbeitrag endlich online ist. Bis dahin muss man sich in Geduld üben und im ständigen Kontakt mit den Blogbetreibern bleiben. Bleiben Sie in jedem Fall freundlich, antworten Sie schnell auf eventuelle Anfragen und bombardieren Sie die Leute nicht mit E-Mails.

Schritt 6: Nach der Veröffentlichung

Auch wenn der Gastbeitrag endlich veröffentlicht wurde ist Ihre Arbeit noch nicht erledigt.

1. Den Content überprüfen

Zunächst sollten Sie schauen ob mit dem Beitrag alles in Ordnung ist. Rechnen Sie damit, dass der Betreiber ihn etwas abgeändert hat. Dennoch sollten folgende Punkte erfüllt sein:

  • Der Beitrag enthält einen Link und Credits zu Ihnen
  • Er ist gut formatiert und wirft ein gutes Licht auf Ihr Unternehmen
  • Alle Links sind noch enthalten und dofollow (kein nofollow tag)

2. Bleiben Sie erreichbar

Jeder träumt davon, dass ein Blog viele engagierte Leser hat die Kommentare verfassen. Wenn diese jedoch unbeantwortet bleiben ist das kein gutes Zeichen. Schauen Sie also regelmäßig auf dem Blog vorbei und beantworten Sie Fragen und Kommentare zu Ihrem Gastbeitrag. Das sind Sie dem Betreiber schuldig.

3. Teilen Sie den Beitrag in Ihrem Netzwerk

Je mehr Besucher den Gastbeitrag aufsuchen werden, desto stärker wird er Ihnen helfen. Stellen Sie also sicher, dass Sie ihn auf Facebook, Twitter und Co teilen. Falls er besonders gut ist können Sie auch Ihre E-Mailkontakte von der Veröffentlichung wissen lassen. Wenn Sie die Möglichkeit haben einen relevanten Link zu dem Beitrag zu setzen ist das ebenfalls eine gute Idee.

Schritt 7: Die Ergebnisse überwachen

Es gibt verschiedene Dinge die Sie überwachen sollten, nachdem der Gastbeitrag publiziert wurde.

Referral Traffic

Wie viele Besucher sind über die Gastbeiträge auf Ihre Website gelangt? Falls es viele waren, sollten Sie darüber nachdenken einen weiteren Gastbeitrag für den Blog zu verfassen.

Soziale Aktivitäten

Wie häufig wurde Ihr Gastbeitrag in den sozialen Medien geteilt, geliked und kommentiert? Dies ist ein Indikator dafür, wie gut der Gastbeitrag war und ob er auf die Website gepasst hat.

Sicherstellen dass die Links online bleiben

Der Link war einer der Hauptgründe für alle die Bemühungen. Aus diesem Grund sollte man stets wachsam kontrollieren, dass der Link auch erhalten bleibt. Speichern Sie die URL ab und schauen Sie regelmäßig vorbei. Bei großen Projekten mit vielen Links kann ein Tools wie Ahrefs dabei helfen.

Die Ergebnisse der Kampagne

Nun ist es an der Zeit zu bewerten ob sich all die Arbeit gelohnt hat. Eingangs wurden bereits die wichtigsten Daten genannt.

Insgesamt wurden 44 Gastbeiträge auf Domains mit einer Authority von 25 – 77 verfasst. Kurz nach den Veröffentlichungen stieg der Referral Traffic merklich an, flachte aber auch bald wieder ab. Hier konnte nur ein kurzfristiger Effekt verbucht werden.

Der organische Traffic stieg jedoch merklich um 20% an. Zudem stieg die Domain Authority von 29 auf 34. Silvio betont zudem, dass der Ruf der Marke erheblich gestiegen ist. Nachdem die ersten Gastbeiträge veröffentlicht waren, wurde es merklich einfacher eine positive Rückmeldung auf Anfragen zu bekommen.

20% mehr Traffic ist zwar nicht die Welt, doch hat die Kampagne kaum Kosten verursacht. Zudem sind die Besucher sehr zielgerichtet und viele sind zu zahlenden Kunden geworden. Durch die gesteigerte Stärke der Website wird es in Zukunft leichter fallen für umkämpfte Suchbegriffe zu ranken.

Fazit: Sind Gastbeiträge wirklich „tot“?

Als Matt Cutts sind dazu entschied etwas gegen Gastbeiträge zu unternehmen, hatte er nicht jene Menschen im Fadenkreuz, die sich mit anderen Bloggern vernetzen und Artikel mit Mehrwert veröffentlichen. Sein Ziel war es jene Blogs abzustrafen, die Geld gegen einen Link tauschen. Böse Zungen würden sagen, dass ihm nicht einmal das gelungen ist. Gastbeiträge wie sie im obigen Beispiel platziert wurden sind aktuell und sehr wahrscheinlich auch in Zukunft ein sehr gutes Mittel um starke und relevante Verlinkungen aufzubauen, mit anderen Bloggern zu networken und neue Besucher zu gewinnen. Gastbeiträge sollten also auf der Todo Liste jedes Unternehmens stehen. Sie sind zudem eine gute Möglichkeit für kleine Unternehmen SEO zu machen, da man dazu keinen Experten braucht und keine Kosten entstehen. Mit etwas Fleiß und einer guten Planung kann so jeder Erfolge verbuchen.